Elektro-Scooter: Lime, Bird und Dott in Rom mit 2,6 Millionen Euro Strafe belegt
In Rom verhängte die Wettbewerbsbehörde gegen Lime, Bird und Dott eine Strafe von 2,6 Millionen Euro, weil sie kostenlose Fahrten blockiert hatten, während Italien den Service verteidigt und Europa über ein Verbot nachdenkt.

Rom hat erstmals Strafen gegen Unternehmen verhängt, die Leih-E-Scooter und E-Bikes anbieten, darunter die US-Firmen Lime und Bird sowie den deutschen Anbieter Dott.
Die Strafe wurde von der Wettbewerbsbehörde verhängt und beläuft sich auf 2,675 Millionen Euro. Nach einer im November 2025 eingeleiteten Untersuchung kam die Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde zu dem Schluss, dass die Unternehmen „den Zugang zu kostenlosen Fahrten, die Abonnenten des römischen ÖPNV-Systems vorbehalten sind, behindert haben“.
Bürger mit einem Metrebus-Jahresabo hätten Anspruch auf kostenlose Fahrtpakete gehabt, die jedoch aufgrund unzureichender organisatorischer Strukturen seitens der Unternehmen nicht gewährleistet wurden. Dies führte zu langen Wartezeiten für die Ausstellung der Pässe und einem umständlichen Aktivierungsprozess.
Eine weitere unlautere Praxis besteht laut Wettbewerbsbehörde in der willkürlichen Deaktivierung von Nutzerkonten durch Bird.
Während die zuständigen italienischen Behörden versuchen, effiziente Dienstleistungen für Verbraucher zu gewährleisten, bemüht sich die Regierung gleichzeitig, den Verkehr mit E-Scootern auf den Straßen durch neue Regeln zu regulieren, die im Mai in Kraft getreten sind.
In ganz Europa haben unterdessen viele Länder die hohe Zahl von Unfällen mit diesen Fahrzeugen erkannt und deren Nutzung eingeschränkt oder vollständig verboten.
Italiens neue Regeln
Im April 2026 kündigte das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr neue Regeln für den Verkehr mit E-Scootern an, die seit dem 16. Mai gelten.
Laut ACI, dem italienischen Automobilclub, sollen die Regeln dazu dienen, elektrische Fahrzeuge auf der Straße leichter identifizierbar zu machen – angesichts ihrer weitverbreiteten Nutzung und der hohen Zahl von Unfällen, an denen sie beteiligt sind: 3.895 im vergangenen Jahr, mit 23 Toten und 3.751 Verletzten.
Die wichtigsten Änderungen betreffen die Pflicht zu einem Kennzeichen und einer Versicherung für das Fahrzeug. Das Kennzeichen ist ein Aufkleber für Fahrzeugbesitzer, kostet pauschal 8,66 Euro und kann bei einem Wechsel des Scooters übertragen werden.
Die Strafen für das Fahren ohne Kennzeichen liegen zwischen 100 und 400 Euro.
Andere Regeln bleiben unverändert: Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein, das Tragen eines Helms ist Pflicht, ebenso wie Blink- und Bremsleuchten sowie Front- und Rücklichter. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 km/h, und das Befördern von Personen oder Gegenständen, das Abschleppen sowie die Nutzung von E-Scootern auf nicht-städtischen Straßen ist verboten.
Die neuen Regeln gelten für privat genutzte Fahrzeuge, aber auch für geteilte E-Scooter von Unternehmen wie Lime, Bird und Dott, die berechtigt sind, Mobilitätsdienstleistungen anzubieten. In Rom gilt diese Lizenz für den Zeitraum 2023–2026 und kann durch eine öffentliche Ausschreibung verlängert werden.
- Brüssel schließt sich wachsender Liste europäischer Städte an, die geteilte E-Scooter aus Sicherheitsgründen verbieten
Europas Verschärfung: von Deutschland und Spanien bis Brüssel
Auch andere europäische Länder haben ihre Gesetze überarbeitet, um die hohe Zahl von Unfällen mit E-Scootern einzudämmen.
Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherer hat sich die Zahl der versicherten E-Scooter seit 2023 mehr als verfünffacht, und sie machen 40 % der Schadensmeldungen für Drittpartenschäden aus.
Ähnliche Bedenken teilt Ungarn, das 2025 einen Anstieg der Verletzungsunfälle mit E-Scootern um 70 % im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete und nun eine Überarbeitung seiner Straßenverkehrsordnung vorbereitet.
Im Juli schlug Deutschland ein Gesetzesentwurf vor, der Leihunternehmen wie Lime und Bolt direkt für Unfälle mit ihren Fahrzeugen verantwortlich machen würde.
Auch Spanien hat die Regeln für E-Scooter verschärft: Helmpflicht landesweit und Anhebung des Mindestalters auf 15 Jahre.
Andere Maßnahmen sind radikaler: In Frankreich wurden Leih-E-Scooter 2023 nach einem Volksentscheid verboten. Belgien folgt dem französischen Beispiel und hat angekündigt, diese Fahrzeuge ab Januar 2027 abzuschaffen, während gleichzeitig die Zahl der Fahrräder und E-Bikes erhöht wird.
Mögliche rechtliche Folgen
In Italien betrifft die Verschärfung der Regeln für E-Scooter bisher nur die neue Straßenverkehrsordnung, und es wurden keine Maßnahmen gegen Leihflotten ergriffen.
Die geplanten Sanktionen für Mikromobilitätsunternehmen sind finanzieller Natur. Da diese Praktiken jedoch erhebliche negative Auswirkungen auf die Kunden hatten, kann nicht ausgeschlossen werden, dass rechtliche Schritte eingeleitet werden.
„Wir sind der Meinung, dass die betroffenen Nutzer für den erlittenen Schaden entschädigt werden sollten“, heißt es in einer Erklärung von Codacons, dem Verbraucherschutzverband.
„Aus diesem Grund prüft Codacons nach der Entscheidung der Wettbewerbsbehörde mögliche rechtliche Schritte gegen Bird, Dott und Lime, um die Interessen aller Inhaber eines Metrebus-Jahresabos in Rom zu verteidigen – Nutzer, die durch die von der Kartellbehörde festgestellten unrechtmäßigen Praktiken geschädigt wurden.“


