Hollywoods 'Odyssey'-Wahnsinn richtet den Blick auf die Türkei: Hat Homer seine Epen in einer Höhle bei Izmir verfasst?
Als Christopher Nolans 'The Odyssey' die jahrhundertealte Debatte über Homers Herkunft neu entfachte, richtet sich das Rampenlicht auf Izmir.

Eingebettet in die mit Olivenbäumen bewachsenen Hänge außerhalb von Izmir, hat eine feuchtigkeitsdurchtränkte Höhle im Bornova-Tal seit langem einen heiligen Platz in der lokalen Überlieferung.
Generation um Generation haben die Bewohner die Überzeugung weitergegeben, dass gerade in dieser Höhle der antike Dichter Homer Platz genommen habe, um "The Odyssey" zu verfassen.
Da Christopher Nolans Filmadaption The Odyssey zu einem der größten Erfolge dieses Jahres – sowohl von Kritikern als auch an den weltweiten Kinokassen geworden ist, hat ein globaler Rummel ein jahrhundertealtes literarisches Rätsel neu entfacht: Wo wurde das grundlegende Werk der Literatur tatsächlich geschrieben?
Für die türkische Archäologin Prof. Aylin Ümit Erdem, Expertin an der Ege-Universität, bietet der filmische Hype eine wichtige Gelegenheit, die historischen, sprachlichen und materiellen Zusammenhänge zwischen Homer und dem antiken Smyrna, dem heutigen İzmir, neu zu prüfen.
Ungeachtet der Autorendebatten betont Prof. Erdem, dass antike Quellen überwältigend auf Izmir hinweisen.
"Vom Historiker Herodot aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum Geographen Strabon aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. behaupteten antike Autoren ausdrücklich, Homer stamme aus Smyrna. Obwohl Kandidaten wie Chios oder Kyme genannt wurden, gilt Smyrna seit der Antike als einer der stärksten Anwärter."
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Die Verbindung zu Smyrna
Nach Prof. Erdem liegen die wichtigsten wissenschaftlichen Argumente, die Homer mit Izmir verbinden, in der Sprache der Texte und der städtischen Geografie des 8. Jahrhunderts v. Chr.
Weiterhin betont Erdem, dass Bayraklı Höyük das einzige aktive, befestigte städtische Zentrum im Becken von İzmir im 8. Jahrhundert v. Chr. darstellte, wodurch es den primären historischen Kontext bildet, in dem Homer gelebt haben könnte.
Bei der Auseinandersetzung mit populären Behauptungen über direkte physische Spuren übt Prof. Erdem jedoch strenge wissenschaftliche Vorsicht und zieht eine klare Grenze zwischen spätantiker Verehrung und direktem Nachweis aus dem 8. Jahrhundert v. Chr.
Prof. Erdem weist darauf hin, dass spätere Artefakte, wie hellenistische Münzen aus Smyrna mit Homers Porträt oder die sitzende Kultstatue, die im nahegelegenen Heiligtum von Klaros gefunden wurde, zeigen, wie nachfolgende Generationen den Dichter als einheimischen Sohn beanspruchten, ohne jedoch Beweise aus seiner eigentlichen Lebenszeit zu liefern.
"Die Fortführung archäologischer Ausgrabungen mit Unterstützung unseres Ministeriums für Kultur und Tourismus sowie der lokalen Behörden ist von entscheidender Bedeutung", fügte Prof. Erdem hinzu. "Falls jemals ein direkter Fund, der mit Homer in Verbindung steht, ans Licht kommt, wird er aus einer tieferen Ausgrabung dieser Schichten resultieren."
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Während die Wissenschaft auf eindeutige Ausgrabungsergebnisse wartet, hat die lokale Begeisterung in Izmir dank jahrhundertelanger Folklore ihren Höhepunkt erreicht.
Entlang der Hänge außerhalb der Stadt wird eine feuchte Höhle im Bornova-Tal seit langem von den Einheimischen als Ort verehrt, an dem Homer seine Meisterwerke verfasste. Antike Texte nannten den Barden häufig Melesigenes („geboren am Meles“), in Anlehnung an den Fluss, der neben Bayraklı fließt.
"Die Bewahrung von Homers Erbe ist eine Pflicht, die wir der Menschheit schulden", sagte der Bürgermeister von Bornova, Ömer Eşki, gegenüber AFP und erläuterte die kommunalen Pläne, die Höhle für internationale Kulturtouristen zu restaurieren. "Die Geschichten, die er erzählt, gehören zu dieser Landschaft."
Lokale Forscher verweisen zudem auf antike Reliefs, die die physischen Konturen der Bornova-Höhle widerspiegeln.
"Dieser Ort wurde immer Homers Tal genannt. Für mich besteht kein Zweifel, dass er aus diesem Land stammt", erklärte der türkische Forscher Altan Altın gegenüber AFP und fügte hinzu, dass das Erbe des Dichters regionale Geschichte miteinander verbindet. "Homer ist 2.800 Jahre alt, während moderne Grenzen erst ein Jahrhundert alt sind. Homer ist Grieche. Homer ist Anatolier."


