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Politik30. August 2026

Wird der Vulkan am Laacher See in Deutschland wieder aktiv? Wissenschaftler entdecken Hunderte tiefer Erdbeben

Der Vulkan am Laacher See brach zuletzt vor etwa 13.000 Jahren aus. Jetzt melden Wissenschaftler tief unter der Eifel Anzeichen dafür, dass er weiterhin aktiv ist.

Wird der Vulkan am Laacher See in Deutschland wieder aktiv? Wissenschaftler entdecken Hunderte tiefer Erdbeben

Erdbeben kommen in Deutschland immer wieder vor, doch viele bemerken sie nicht.

Das liegt daran, dass diese Beben tief unter der Erde auftreten und häufig niedrige Frequenzen besitzen.

Doch tief unter der Oberfläche könnte etwas im Gange sein. Das vermuten Forscher, die in den letzten Jahren den Laacher See in der Eifel im Westen Deutschlands überwacht haben.

Zwischen September 2022 und August 2023 nutzten sie mehrere Messstationen, um mehr als 500 Mikro‑Erdbeben unter dem See aufzuzeichnen – der im Krater eines Vulkans entstand, der zuletzt vor etwa 13.000 Jahren ausbrach.

Deutschlands stärkster Vulkan

Diese letzte Explosion war so stark, dass Asche bis nach Schweden und Italien getragen wurde, und Experten fordern noch heute eine kontinuierliche Überwachung der Stätte.

Mehrere Studien zeigen, dass es weiterhin unterirdische Aktivität gibt. Im Oktober 2025 wurde ein erneuter Anstieg der seismischen Aktivität im östlichen Eifel gemeldet, zuletzt bestätigt durch eine Studie aus 2019.

Forscher bezeichnen diese Bewegungen als tiefe niederfrequente Erdbeben (DLF). Diese DLF‑Erdbeben gelten als Hinweis darauf, dass der Vulkan am Laacher See eines Tages erneut ausbrechen könnte.

Im Fokus der Untersuchungen steht der Laacher See in Rheinland-Pfalz, der größte See des Bundeslandes.

Die Region ist zu Recht als Vulkanische Eifel bekannt – allein die östliche Eifel beherbergt ein vulkanisches Feld mit etwa 100 Vulkanen.

"DLF‑Erdbeben werden weltweit als Hinweis auf die Bewegung magmatischer Fluide in großer Tiefe angesehen", erklärt Torsten Dahm, Leiter der Abteilung Erdbeben‑ und Vulkanphysik am GFZ, mit Verweis auf eine Studie aus dem Jahr 2019. "Unter aktiven Vulkanen, zum Beispiel in Island, Japan oder Kamtschatka, können solche Erdbeben regelmäßig beobachtet werden."

Laut der Studie scheinen sich magmatische Fluide in Tiefen von etwa 12 bis 14 Kilometern anzusammeln. Magmatische Fluide können Wasser, Sauerstoff, Schwefelverbindungen oder Halogene sein. Sie werden aus geschmolzenem Gestein freigesetzt und spielen eine Schlüsselrolle bei der Bestimmung, wie explosiv ein Vulkan ausbricht. Ihre Bewegung kann zudem Erdbeben im Untergrund auslösen.

Diese magmatischen Fluide könnten aus dem oberen Mantel in die Erdkruste aufsteigen. Nach Angaben des Helmholtz‑Zentrums Potsdam GFZ – Deutsches GeoForschungsZentrum – würden sie entlang der Ochtendunger Störungszone aufsteigen – ein Hinweis darauf, dass das vulkanische System am Laacher See weiterhin aktiv ist.

Sie deuten außerdem darauf hin, dass sich unter dem Laacher See Magmakammern in der Erdkruste befinden, die sich möglicherweise langsam füllen.

In der Nacht vom 10. Oktober 2025 kam es zu einem ungewöhnlichen Erdbebenschwarm mit etwa 92 kleinen Mikro‑Erdbeben innerhalb von zwölf Stunden. Das stärkste Beben hatte nur eine Magnitude von 0,9.

"Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Jahren vier räumlich begrenzte Cluster solcher DLF‑Erdbeben im östlichen Eifel entdeckt", sagte der Hauptautor Martin Hensch von der Vereinigung der Landesseismologischen Dienste im Jahr 2019.

Forscher erwarten jedoch in naher Zukunft keine vulkanische Aktivität. Die Datierung des Magmas, das beim letzten Ausbruch des Vulkans entstand, legt laut einer GFZ‑Mitteilung nahe, dass es etwa 30.000 Jahre gedauert haben könnte, bis die obere Magmakammer unter dem Laacher See gefüllt war, bevor der Ausbruch schließlich stattfand.

"Der Aufstieg von Magma in die flache Kruste wird fast immer von hochfrequenten Erdbebenschwärmen begleitet. Eine solche Aktivität wurde im östlichen Eifel noch nicht beobachtet", sagte Joachim Ritter vom Geophysikalischen Institut (GPI) am KIT.

"Zudem gibt es keinen Hinweis auf eine Hebung der Erdoberfläche, die bei einem massiven Magmaaufstieg eindeutig nachweisbar wäre", fügt Dahm hinzu.

Zusätzlich zu den kleinen Beben und zuletzt einem sogenannten Erdbebenschwarm gibt es weitere Anzeichen für anhaltendes CO₂‑Entgasen aus dem Mantel.

Bubbles of carbon dioxide can repeatedly be seen on the surface of the lake. Gases rise up from the depths.
Kohlendioxidblasen sind immer wieder an der Oberfläche des Sees zu sehen. Gase steigen aus den Tiefen auf. RaSlaMa, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Im Jahr 2024 führte das GFZ RMT‑Messungen an zwei Standorten rund um den Laacher See durch. An beiden Stellen wurde die Emission von CO₂‑Gasen magmatischen Ursprungs nachgewiesen. Zusammengenommen deuten all diese Aktivitäten letztlich darauf hin, dass unterirdische Prozesse aktiv sind.

Von September 2022 bis August 2023 zeichneten Geologen mehr als 500 lokale Mikro‑Erdbeben in einer 2026 veröffentlichten Studie auf. Dabei wird das Gestein hydraulisch gebrochen; die Forscher beschreiben dies als ein Beispiel für natürliches hydraulisches Fracking.

Sie haben außerdem gefunden, dass wahrscheinlich eine Reservoirstruktur, etwa eine mögliche Magmakammer, in einer Tiefe von etwa 12 bis 14 Kilometern existiert. Sie erstreckt sich horizontal über 15 Kilometer unterhalb der aktiven Erdbebenzone.

Eruption der Eiszeit

Während der Eiszeit brach der Vulkan in der Eifel aus. Neuere Studien haben den Ausbruch neu datiert: Er soll vor 13.084 Jahren stattgefunden haben, also etwa 184 Jahre früher als bisher angenommen.

Der Ausbruch war gewaltig. Man geht davon aus, dass vulkanische Asche in die Stratosphäre aufstieg und wahrscheinlich eine Höhe von 30 Kilometern erreichte. Die Winde sollen die Asche über tausende Kilometer transportiert haben – nach Norden bis nach Schweden und nach Süden bis nach Norditalien. Heute wird seine Explosivkraft laut der Website des nahegelegenen Benediktinerklosters Maria Laach auf etwa 500 Hiroshima‑Bomben geschätzt.

Vulkanische Asche und Bimsstein bildeten im Rheintal eine sieben Meter dicke Schicht. In der Nähe des Vulkans soll diese Schicht etwa 60 Meter dick sein. Im heutigen Köln‑Bonn‑Raum sammelte sich vulkanische Asche bis zu einer Tiefe von einem Meter an.

Lake Laach is the largest lake in Rhineland-Palatinate.
Der Laacher See ist der größte See in Rheinland-Pfalz. Bungert55, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Erst danach bildete sich der Laacher See. Der Ausbruch dauerte zehn Tage, unterbrochen von mehreren Phasen relativer Ruhe. Heiße Gase, die das Grundgestein und alte Lavaströme zersplitterten, wenn sie mit Grundwasser in Kontakt kamen, räumten einen Weg für das von unten aufsteigende Magma frei.

Um den Ausbruch präzise zu datieren, suchte ein Forschungsteam der Universitäten Mainz, Frankfurt und Heidelberg nach Schwefelablagerungen in verschiedenen natürlichen Klimaarchiven. Sie fanden Hinweise sowohl in einem Eiskern aus Grönland als auch in einem Stalagmit einer Höhle im Westerwald, wobei die Sulfatkonzentration entscheidend war.

Die bei dem Ausbruch entstandenen vulkanischen Gesteine wurden später unter anderem im 19. Jahrhundert als Baumaterial verwendet.

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