Münchens Aufschwung in der Verteidigungstechnik: Wie die Aufrüstung Deutschlands eine bayerische Stadt neu gestaltet
Hinter den Rekordbudgets und Drohnenverträgen verbirgt sich die Geschichte ehemaliger Automobilhersteller, die sich für das Schlachtfeld neu ausbilden, und einer Stadt, die versucht, schneller zu bauen, als ihr Genehmigungssystem es zulässt.

München, lange bekannt für das Oktoberfest und den FC Bayern München, entwickelt sich rasch zu einem der führenden Zentren Europas für Verteidigungstechnik, da junge Unternehmen, die KI‑gesteuerte Drohnen und Militärsoftware herstellen, sich um die bayerische Hauptstadt scharen.
Der Aufschwung wird durch einen dramatischen Anstieg der deutschen Staatsausgaben untermauert. Der Bundeshaushalt für 2026 weist rund 82,7 Milliarden Euro für die Verteidigung aus, ein Anstieg von etwa 29,4 Milliarden Euro gegenüber dem vorherigen Finanzplan, wobei die Truppenstärke um bis zu 10 000 Personen steigen soll.
Einschließlich eines außerbudgetären Sonderfonds zur Modernisierung der Streitkräfte erreicht die gesamte Verteidigungsausgabe für 2026 rund 108 Milliarden Euro – ein etwa 24 %iger Jahreszuwachs, der laut dem Stockholm International Peace Research Institute das erste Mal seit 1990 markiert, dass die deutschen Militärausgaben eindeutig über 2 % des BIP liegen.
Unternehmen wie der Drohnenhersteller Quantum Systems, die KI‑Verteidigungsgruppe Helsing und der Spezialist für Abfangdrohnen Tytan Technologies gehören zu Dutzenden von Militär‑Tech‑Akteuren, die nun rund um München ansässig sind.
Quantum Systems, 2015 gegründet, liefert Drohnen an die Streitkräfte der Ukraine und hat sein Angebot auf Land‑ und Seesysteme ausgeweitet. Tytan, 2023 von zwei Absolventen der Technischen Universität München nach einem Hackathon in der Ukraine gegründet, hat seine Belegschaft verzehnfacht und eröffnet einen neuen Produktionsstandort.
„Our founders had a very straightforward mission — restoring the economics of European air defence," said Nemo Farber, Tytan's chief manufacturing officer.
Branchenvertreter verweisen auf die Kombination aus Ingenieur‑Talent, technischen Universitäten und einem unterstützenden politischen Klima in der Stadt.
„München und die Metropolregion bieten eine hervorragende Kombination aus Fähigkeiten, Talent und Geschichte“, sagte Martin Karkour, Chief Revenue Officer des Spionagedrohnenherstellers Quantum Systems.
„Wir verfügen über Ingenieurkompetenzen, über Software‑ und KI‑Fähigkeiten, über Robotik‑Kompetenzen – es ist eine großartige Kombination, die schwer an einem anderen Ort zu reproduzieren wäre.“
Die Industrie‑ und Handelskammer München sagt, dass die Zahl reiner Verteidigungs‑Start‑ups in der Region in den letzten Jahren auf etwa 60 verdoppelt habe, während entlassene Arbeitskräfte aus der kriselnden Automobilindustrie der Region zunehmend in Verteidigungspositionen wechseln.
Herausforderungen bleiben: Unternehmen berichten von langen Sicherheitsprüfungen, langsamen Genehmigungsverfahren für neue Produktionsstätten und Beschwerden, dass Budgets nach wie vor traditionelle schwere Waffen gegenüber autonomen Systemen bevorzugen.
Der Verteidigungsexperte Maximilian Epp von der Industrie‑ und Handelskammer betonte, dass „Start‑ups wirklich kämpfen, wenn Wachstum und Aufträge vorhanden sind und sie die Produktion hochfahren wollen, sie ihr Produktionspotenzial jedoch nicht vollständig ausschöpfen können, weil die Genehmigungen für neue Lager‑ und Produktionsstätten noch nicht erteilt wurden.“
Der Bürgermeister von München, Dominik Krause, führt den Erfolg der Region auf die Zusammenarbeit zwischen großen und kleinen Unternehmen sowie auf starke Verbindungen zwischen Universitäten und staatlichen Behörden zurück.
Das rasche Wachstum der Branche birgt zudem Risiken für ihre Führungskräfte. Der Leiter des bayerischen Drohnenherstellers Donaustahl soll sich wegen eines mutmaßlichen russischen Attentatsplans versteckt haben, während ein Anschlagsplan von 2024 gegen den Vorstand von Rheinmetall vereitelt wurde.
„Wir sind uns der Situation, in der wir operieren, bewusst und haben die entsprechenden Maßnahmen getroffen“, sagte Martin Karkour, Chief Revenue Officer von Quantum.


