Beeindruckende Bilder: Wehrmachts‑Motorrad aus der Donau sieht fast 'neu' aus
Der Fund eines Motorrunkels und der Überreste zweier deutscher Soldaten sorgt weltweit für Schlagzeilen.

Das Foto des in Budapest geborgenen Wehrmachts‑Motorrads verbreitet sich weltweit: von der „Times of India“ und „Vietnam.VN“ über britische Medien wie den „Daily Mirror“ bis hin zu US‑Plattformen wie Yahoo Autos sorgt der spektakuläre Fund für Schlagzeilen.
Laut dem Ungarischen Institut und Museum für Militärgeschichte handelt es sich bei dem geborgenen Motorrad um eine DKW NZ 350-1.
Die DKW‑Modelle NZ 250 und NZ 350 galten damals bei Motorradfahrern als besonders robust und zuverlässig. Ab 1944 wurde daher eine speziell für den Kriegseinsatz entwickelte Variante unter dem Namen NZ 350-1 eingeführt.
Das ungarische Museum barg das Fahrzeug am 2. August am Batthyány‑Platz gegenüber dem Parlament. Das Motorrad ist fast vollständig erhalten. Da es beim Bergen von Wasser und Schlamm durchtränkt war, wog es über 200 Kilogramm. Das Fahrzeug wird derzeit im Hangar des Museums in Budapest gereinigt und konserviert.
Die DKW NZ 350-1 wurde zwischen 1944 und 1945 produziert, bis Kriegsende wurden knapp 12.000 Stück gebaut.
Ein besonders interessantes Detail, das heute leicht übersehen wird, ist ein kleiner "Finne"‑ oder Schlammschneeschieber am Hinterrahmen. Er sollte verhindern, dass sich Schlamm und Schnee am Reifen ansammeln und in den Kettenantrieb gelangen. Diese Modifikation geht offenbar auf Erfahrungen aus dem russischen Winter zurück.
Der Motorblock aus grauem Gusseisen, einer Gusseisenlegierung mit hohem Graphitanteil, war ebenfalls auffällig. Ein Grund dafür war der Kriegsengpass bei Aluminium. Auf Basis der bisher veröffentlichten Informationen lässt sich der Fund jedoch noch nicht auf einen konkreten Produktionstag oder -monat datieren.
DKW, der Hersteller der NZ 350-1
Das Unternehmen DKW geht zurück auf den dänischen Ingenieur Jørgen Skafte Rasmussen. 1907 gründete er zunächst ein Maschinenbau‑ und Dampftechnologieunternehmen in Zschopau in Sachsen. Der Markenname DKW entstand später und stand ursprünglich für „Dampfkraftwagen“, also ein dampfbetriebenes Fahrzeug. 1922 wurde der erste DKW‑Zweitaktmotor in Zschopau produziert. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Unternehmen zu einem der wichtigsten Motorradhersteller Deutschlands.
1932 fusionierte DKW mit Audi, Horch und Wanderer zur Auto Union AG. Im neuen Konzern blieb das DKW‑Werk in Zschopau das Zentrum der Motorrad‑ und Motorenproduktion.
In den 1930er‑Jahren war DKW zunehmend in die deutsche Aufrüstung eingebunden. Die NZ 350 wurde ebenfalls in großer Stückzahl für die Wehrmacht produziert.
Die Bedeutung des Werks in Zschopau zeigt sich an den Produktionszahlen: Bereits 1934 verließ das 350.000ste DKW‑Motorrad das Band, 1939 folgte das 500.000ste. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die zivile Motorradproduktion zunehmend reduziert und die Fertigung immer stärker auf militärische Bedürfnisse ausgerichtet.
- Rätsel gelöst: Geschichte des in der Donau gefundenen Wehrmachts‑Motorrads
Die DKW NZ 350-1, wie das jetzt aus der Donau geborgene, stammt aus dieser späten Kriegsphase.
Nach Kriegsende wurde das DKW‑Werk in Zschopau von den sowjetischen Besatzungsbehörden demontiert. Maschinen und Anlagen wurden in die Sowjetunion gebracht. DKW‑Ingenieure aus Zschopau wurden ebenfalls nach Ijewsk entsandt, um dort die Motorradproduktion wieder aufzubauen. Die Geschichte der NZ 350 endete damit nicht: Ab 1946 wurde in der Sowjetunion die IZh‑350 produziert, die weitgehend auf der DKW NZ 350 basierte. Bis 1951 wurden mehr als 127.000 Stück gebaut.
In den letzten Tagen wurden im ausgetrockneten Flussbett der Donau neben dem Wehrmachts‑Motorrad weitere Originalteile gefunden, darunter eine Benzinkanister, ein Y‑Gurt und ein Bajonett‑Halter.
Ein Y‑Gurt war ein Ledergeschirr, das über die Schultern getragen und vorne sowie hinten mit zusätzlichen Riemen verbunden wurde. Er diente dazu, Ausrüstung am Körper zu befestigen, etwa Brottaschen, Munitionsbeutel oder Feldflaschen. Der Name „Y“ stammt von der Form der Schulterriemen.
Der Begriff Bajonett‑Halter bezeichnet die Halterung für ein Bajonett, die am Gürtel oder an anderer Ausrüstung befestigt wird. Das Bajonett wird darin getragen, wenn es nicht am Gewehr befestigt ist.
Unter dem Motorrad wurden die sterblichen Überreste zweier deutscher Soldaten entdeckt. Ihre vollständig erhaltenen Identitätsscheiben könnten nach über 80 Jahren erstmals Aufschluss darüber geben, wer sie waren und was mit ihnen geschah. Außerdem wurde ein sogenanntes „Kuban“-Ärmelabzeichen gefunden.
Dieses Abzeichen könnte darauf hinweisen, dass sein Träger zuvor am Kuban‑Brückenkopf im Kaukasus gedient hat.
Derzeit wird angenommen, dass die Überreste der beiden Männer dem Fahrer und dem Beifahrer des Motorrads gehören. Es gibt jedoch eine mögliche alternative Erklärung: Das Ungarische Institut für Militärgeschichte (Quelle auf Deutsch) (Quelle auf Ungarisch) hält es für möglich, dass die Stelle als Kriegsruinen‑ oder Abfallgrube nach dem Ende der Belagerung genutzt wurde. Es scheint, dass Munition und Ausrüstung zu den dort entsorgten Gegenständen gehörten.
Die Funde allein erlauben daher noch keinen eindeutigen Schluss darüber, ob die beiden Männer zum Zeitpunkt ihres Todes auf dem DKW waren.


