Deutschland droht, das Ziel für die Gasspeicherung zu verfehlen, während die Industrie einer kalten Winterbedrohung ausgesetzt ist
Deutschland wird sein Gasspeicherziel für November verfehlen, wenn die Einspeisungen in ihrem aktuellen Tempo weitergehen, warnt der nationale Speicherverband.

Deutschland hinkt bei dem Wettlauf, seine Gasspeicher vor dem Winter wieder aufzufüllen, und ruft nach stärkeren Anreizen, um die Einspeisungen zu beschleunigen.
Hohe Marktpreise haben das Nachfüllen der deutschen Gasspeicher verlangsamt und das Erreichen des Zielwertes gefährdet.
Die deutschen Gasspeicher waren am 25. August zu etwa 51,5 % gefüllt, verglichen mit rund 69 % im Vorjahr. Deutschland muss bis zum 1. November einen Gesamtauslastungsgrad von 70 % erreichen.
Auch in anderen Teilen Europas sind die Speicherstände niedrig. Das niederländische, staatseigene Gasinfrastrukturunternehmen Gasunie hat gewarnt, dass die Niederlande ihr Ziel in diesem Jahr verfehlen könnte.
Deutschland verfügt über die größte Gasspeicherkapazität Europas, sodass das langsame Befüllen einen wesentlichen Beitrag zum europäischen Defizit leistet.
Laut Heinermann hat Deutschland etwa 45 TWh weniger Gas im Speicher als vor einem Jahr – etwa gleichbedeutend mit der gesamten Gasspeicherkapazität der Tschechischen Republik.
Allerdings sei bereits rund 78 % der verfügbaren Speicherkapazität gebucht, sagte Heinermann. Das garantiert jedoch nicht, dass sie gefüllt wird. Durch die Buchung erhalten Händler das Nutzungsrecht, während die Menge des eingespeisten Gases von den Marktbedingungen abhängt.
Warum lagern Unternehmen nicht mehr Gas?
Hohe Preise bedeuten, dass es für Unternehmen derzeit nicht rentabel ist, große Mengen Gas zu kaufen und zu speichern. Normalerweise kaufen Lieferanten im Sommer günstigeres Gas, lagern es und verkaufen es im Winter zu höheren Preisen.
Der Krieg im Iran hat die globalen Marktpreise in die Höhe getrieben und die Speicherung weniger wirtschaftlich attraktiv gemacht. Am Freitag lag der europäische Leitgaspreis, der niederländische TTF‑Vorlaufkontrakt, bei etwa 69 € pro Megawattstunde, gegenüber rund 29 € zu Jahresbeginn.
„Die Speicher‑Spreads haben sich in letzter Zeit verbessert, aber nicht in dem Ausmaß, dass zusätzliche Einspeisungen wirtschaftlich rentabel wären.“
Ein Sprecher fügte hinzu, dass das Unternehmen keinen akuten Versorgungsengpass in Europa sehe. Uniper sagte, Deutschland könne sein Ziel von 70 % oder mehr bis zum 1. November noch erreichen, wenn die Marktbedingungen „stärkere Anreize für Einspeisungen schaffen“.
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Das staatliche Energieunternehmen SEFE berief sich auf die aktuelle Analyse des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft, die ergab, dass das Ziel noch mit einer durchschnittlichen Einspeiserate von 0,75 TWh pro Tag erreicht werden könne.
RWE Gas Storage West erklärte ebenfalls, dass es das Ziel bei den derzeitigen Einspeiseraten erreichen werde.
Das Bundeswirtschaftsministerium hatte zuvor erklärt, dass „nach aktuellem Stand in diesem kommenden Winter kein Gasmangel zu erwarten sei“.
Die nationale Nachrichtenagentur dpa berichtete, dass das Ministerium anerkannte, dass die Speicherstände deutlich niedriger seien als in den Vorjahren, aber betonte, dass die Versorgungssicherheit von mehr als nur den gespeicherten Mengen abhänge. Deutschland könne zudem auf norwegisches Pipeline‑Gas, LNG‑Terminals und Lieferungen aus Nachbarländern zurückgreifen.
Das Ministerium erklärte, dass Speicherstände von 60 % bis 70 % zu Beginn des Winters in Kombination mit verfügbaren Importen ausreichen würden, um die Nachfrage in einem durchschnittlichen Winter zu decken.
Industrielle Produktion bei kaltem Winter gefährdet
Obwohl keine unmittelbare Gefahr besteht, warnte Heinermann, dass niedrige Speicherstände bei extremen Wetterbedingungen problematisch werden könnten.
„Wenn die Gaspreise dann über das für industrielle Verbraucher erschwingliche Niveau steigen, werden Unternehmen gezwungen sein, die Produktion zu drosseln“, sagte er und fügte hinzu, dass dies zu potenziell erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen könnte.
Obwohl die Bedeutung fossiler Brennstoffe stetig abnimmt, bleibt Gas für Haushalte, Industrie und die Stromerzeugung wichtig. Im Jahr 2025 machte Gas laut Statistischem Bundesamt 16,1 % der deutschen Stromerzeugung aus.
Deutsche Hersteller befürchten zudem, dass niedrige Speicherstände das Land zwingen könnten, im Winter teures LNG zu kaufen, was den Druck auf die Industrie erhöht.
Ein Sprecher des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) teilte der deutschen Zeitung Pharmazeutische Zeitung diese Woche mit, dass eine Kombination aus niedrigen Speichern, starkem Frost und Lieferunterbrechungen problematisch sei, da viele pharmazeutische Produktionsprozesse auf Gas angewiesen sind und nicht kurzfristig abgeschaltet oder umgestellt werden können.
Auch der deutsche Maschinenbausektor hat Alarm geschlagen. Thilo Brodtmann, Generaldirektor des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), sagte in einer von der Welt zitierten Erklärung: „Ein physischer Gasmangel oder sprunghafte Preissteigerungen würden eine erhebliche Bedrohung für die Branche darstellen.“
Wie könnte Deutschland das Befüllen der Speicher beschleunigen?
Laut INES besteht die Priorität darin, die finanziellen Anreize für Unternehmen zur Gaslagerung zu stärken.
Heinermann sagte: „Die Abschaffung von Netzentgelten für die Speicherung und beispielsweise der Gasumwandlungsabgabe würde die Kosten der Gaslagerung senken und Einspeisungen wirtschaftlich attraktiver machen.“ Er fügte hinzu, dass die Reduzierung von Bürokratie ebenfalls Kosten senken würde.
Wenn Unternehmen die gebuchte Speicherkapazität nicht nutzen und Deutschland Gefahr läuft, das Befüllungsziel zu verfehlen, muss die ungenutzte Kapazität Trading Hub Europe (THE) zur Verfügung gestellt werden. Mit Genehmigung von Regierung und Aufsichtsbehörden kann THE dann öffentliche Ausschreibungen durchführen, um zusätzliches Gas für die Speicherung zu sichern.
VNG erklärte, dass, falls Unternehmen nicht genügend Gas in die Speicher einbringen, eine Lösung darin bestehen könnte, dass die Regierung Energieunternehmen bezahlt, um zu garantieren, dass vereinbarte Mengen im Krisenfall verfügbar sind.
Unternehmen würden um die Bereitstellung dieser Notversorgung konkurrieren, was VNG zufolge für die Steuerzahler günstiger und für den Gasmarkt weniger störend wäre als direkte staatliche Einkäufe.
Über den kommenden Winter hinaus plant Deutschland, ab dem Speicherjahr 2027/28 eine staatlich kontrollierte strategische Gasreserve einzuführen, um sich gegen größere Importunterbrechungen zu schützen.
Die geplante Reserve würde rund 24 TWh Gas umfassen, was fast 10 % der nationalen Speicherkapazität entspricht. Das Vorhaben ist jedoch noch nicht gesetzlich verankert und wird voraussichtlich erst ab dem Winter 2027/28 Schutz bieten.


